Die Jugendpolitik von SED und FDJ

 

Die Freie Deutsche Jugend (FDJ) sollte alle Jugendlichen in der DDR innerhalb einer politischen Organisation zusammenfassen. 1946 gegründet, verstand sie sich als Jugendorganisation und Kampfreserve der SED. Das Ziel der staatlichen Jugendpolitik war die Entwicklung der Jugend zu „sozialistischen Persönlichkeiten“, also die allumfassende ideologische Erziehung zu staatstreuen DDR-Bürgern. Möglichkeiten zum Widerspruch räumte die SED-Regierung den Heranwachsenden nicht ein. Jedem, der von der offiziellen Linie abwich, drohten Nachteile. Schüler, die sich einer Mitgliedschaft in der FDJ verweigerten und damit der ideologischen Erziehung des Staates entzogen, durften anfangs beispielsweise kein Abitur machen. Zudem wurden Jugendliche, die in der Öffentlichkeit durch aufsässiges Verhalten und/oder durch das Tragen provozierender Kleidung und Frisuren auffielen, durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) überwacht und verfolgt.

Für Jugendliche, die in Gewissenskonflikte mit dem Wehrdienst oder der Parteiideologie gerieten, erlangte die Möglichkeit große Bedeutung innerhalb der Jungen Gemeinden (JG) unter dem Dach der Evangelischen Kirche ihre Meinung offen vertreten zu können: Hier wurde über Themen gesprochen, die sonst einem gesellschaftlichen Tabu unterlagen und hier fanden junge Menschen Ansprechpartner, die sie zu einem selbstbestimmten Leben ermutigten. Daraus entwickelte sich bald politisches Engagement, das der staatlichen Erziehungspolitik zuwiderlief. Seit Anfang der 1970er Jahre bezeichnete das MfS besonders protestantische Gesprächskreise, Arbeitszusammenhänge und Kirchenkonzerte als „legale Organisationen des Gegners“. Entsprechend überwachte die Staatssicherheit die Gottesdienste und unterwanderte die Jungen Gemeinden. Viele Jugendliche kamen so, ohne es zu wollen, in Konflikt mit dem Staat.

 

Quellen und weiterführende Links

 

„Entwicklung der Jugend zu sozialistischen Persönlichkeiten“
(Jugendgesetz vom 28. Januar 1974)

 

Heinz Clemens: Das letzte ET-Fine
(www.hdg.de/lemo)

 

Rede-Beitrag Walter Ulbrichts auf der FDJ-Bezirksdelegiertenkonferenz in Leipzig am 12.4.1957 zu den Zielen der FDJ
(Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, DY 24 / 372)

 

Helmut Müller: Ulbricht und die FDJ
(www.zeitzeugen-portal.de)

 

Protesterklärung von Jugendpfarrern der „Kirche von Unten“ gegen die staatliche Bevormundung von Jugendlichen, 29.10.1988
(Archiv Bürgerbewegung Leipzig, 1988/10/29 Nr. 1009)

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