Konflikte um Rock’n’Roll und Beat

 

In den 1950er Jahren war westliche Musik und Lebensstil in der DDR verpönt und sogar verboten. Darunter litten vor allem junge Rock’n’Roll-Fans, die sich in ihrer Art zu leben nicht der breiten Masse anpassen mochten. Doch um die Jugend für die Ziele des Staates zu gewinnen, musste die SED Kompromisse machen. So ließ sie den Jugendlichen ab Anfang der 1960er Jahre immer mehr Freiheiten: Musik von Gruppen wie den Beatles durfte im Radio oder in Jugendklubs gespielt werden, zahlreiche Bands, die die Musik und das Äußere ihrer westlichen Idole in der DDR nachahmten, gründeten sich.

Allerdings währte diese Phase nur kurz: Aus Angst, mit der westlichen Musik könnte auch freiheitliches Gedankengut in die DDR kommen, beendete die SED 1965 ihre liberale Politik. Weil die Stadt Leipzig ein Auftrittsverbot gegen die Mehrzahl der dort ansässigen Beatbands erließ, folgten zahlreiche Jugendliche dem Aufruf illegal verbreiteter Flugblätter, sich am 31. Oktober 1965 zum friedlichen Protest auf dem Leuschnerplatz in der Innenstadt zu versammeln. Die Polizei löste ihre friedliche Versammlung gewaltsam auf, viele Jugendliche wurden verhaftet und im Schnellverfahren zu mehreren Wochen Zwangsarbeit in den Braunkohlegruben rund um Leipzig verurteilt. Auch in den 25 Jahren danach gab es immer wieder Auseinandersetzungen zwischen dem Staat und Jugendlichen um die Rockmusik. Besonders hart wurden Anfang der 1980er Jahre die Punks von den Sicherheitsorganen verfolgt. Die Durchsetzung der musikalischen Vorlieben Jugendlicher konnte in der DDR letztendlich aber nie verhindert werden.

 

Quellen und weiterführende Links

 

„Gegen entartete Tanzmusik“
(Freie Presse, Karl-Marx-Stadt, vom 4.8.1970.)

 

Lutz Baumann: Rebellische Musik in der DDR
(www.hdg.de/lemo)

„Langhaarige, Beatfans und Gammler“
(www.jugendopposition.de)

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