Militarisierte Gesellschaft

 

1956 entstand die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR. Sie bildete eine tragende Säule im Verteidigungsbündnis osteuropäischer Staaten, die sich 1955 unter der Führung der Sowjetunion zusammengeschlossen hatten. Die SED vertrat dabei die Meinung, dass der Frieden nur mit der Waffe verteidigt werden könne. Seit Einführung der Wehrpflicht im Jahr 1962 taten 2,5 Millionen Männer Dienst bei der NVA oder den Grenztruppen. Die Wehrpflicht, aber auch der 1978 als Pflichtfach in Schulen eingeführte Wehrkundeunterricht, leistete einen nicht unerheblichen Beitrag zur Militarisierung und Uniformierung der Gesellschaft. Ab Ende der 1970er Jahre galten die Teilnahme am Wehrkunde-Unterricht und eine längere Dienstverpflichtung in der NVA (über den üblichen Grundwehrdienst von 18 Monaten hinaus) als Voraussetzung, um zum Abitur zugelassen zu werden und später ein gefragtes Studium aufnehmen zu können.

Diejenigen, die den Dienst an der Waffe aus religiösen oder ethischen Gründen ablehnten, hatten ab 1964, nach entsprechender staatlicher Überprüfung, die Möglichkeit einen 18-monatigen Ersatzdienst als Bausoldat abzuleisten. Wer auch das ablehnte, wurde zu einer Haftstrafe wegen Wehrdienstverweigerung verurteilt. Wegen ihrer pazifistischen und antimilitaristischen Haltung stufte die SED die Bausoldaten als politisch unzuverlässig ein. Sie mussten mit massiven Behinderungen in ihrer beruflichen Entwicklung rechnen. Ein Studium wurde ihnen in der Regel versagt.

 

Quellen und weiterführende Links

 

„Sozialistische Wehrerziehung und Landesverteidigung“
(Einheit, 23. Jg., Heft 3/1968, S. 354-363.)

 

Anordnung des Nationalen Verteidigungsrates der Deutschen Demokratischen Republik über die Aufstellung von Baueinheiten im Bereich des Ministeriums für Nationale Verteidigung
(Gesetzblatt der DDR 1964 I, S. 129-130.)

 

Lutz Baumann: Einberufung in die NVA
(www.hdg.de/lemo)

Kommentare sind geschlossen