Strafvollzug: Das „Zuchthaus Cottbus“

 

Neben kriminellen Gefangenen waren in Cottbus vor allem politische Häftlinge inhaftiert. Einen großen Anteil stellten dabei Menschen dar, die in der DDR wegen „Republikflucht“ verurteilt worden waren. Die Strafvollzugseinrichtung bestand im Wesentlichen aus zwei großen Zellenhäusern, zwei Produktionsstätten, dem Gebäude für den Neuzugang, einer Baracke zum Essen, einem kleinen Krankenrevier und einer separaten Untersuchungshaftanstalt. Stacheldrahtzäune, Signaldrähte, Hundelaufanlagen, Wachtürme und eine rund fünf Meter hohe Gefängnismauer sollten Ausbrüche verhindern.

Ehemalige Häftlinge berichteten, dass die Einrichtung ständig überbelegt, der hygienische Zustand untragbar war und dass sie oft der Willkür und Gewalt des Wachpersonals ausgesetzt waren. Nicht selten wurden verschärfte Haftbedingungen in Isolierhaft in den Kellerzellen verordnet. Zudem herrschte Arbeitspflicht im Drei-Schicht-System, beispielsweise beim VEB PENTACON, einem staatlichen Unternehmen der optischen und feinmechanischen Industrie, wo die Häftlinge Aluminiumteile für Fotoapparate herstellten. Aufgrund mangelnden Arbeitsschutzes waren die Gefangenen oft gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt. Zudem drohten Strafen, beispielsweise wenn die Arbeitsnorm nicht erfüllt wurde. Wegen der vielen Missstände war unter den Häftlingen die Bezeichnung „Zuchthaus Cottbus“ verbreitet.

 

Quellen und weiterführende Links

 

Karl-Heinz Böttcher: Cottbus war nur ein Jahr
(www.zeitzeugen-portal.de)

Andree Kaiser: Der rote Terror
(www.zeitzeugen-portal.de)

 

Menschenrechtszentrum Cottbus
(Gedenkstätte ehemaliges „Zuchthaus Cottbus“)

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