Zensur

 

In der DDR gab es keine Meinungs- und Informationsfreiheit im Sinne des Grundgesetzartikels 5. Zensur gehörte zum Alltag, unangepasstes Verhalten und kritische Äußerungen gegenüber Staat und Gesellschaftssystem im privaten Umfeld wie auch in der Öffentlichkeit wurden sanktioniert. Besonders Schriftsteller, Künstler, Musiker, Theater- und Filmschaffende waren politischer Kontrolle unterworfen. Die SED-Regierung erwartete von ihnen, eher ein geschöntes Bild der sozialistischen Gesellschaft zu entwerfen, als die oft von der Propaganda abweichende Realität zu dokumentieren. Dennoch waren Bücher, Theaterstücke und Filme immer auch Ersatzpodium für einen – von der SED anfangs sogar geförderten – kritischen Diskurs gewesen, der eigentlich in die Massenmedien gehört hätte. 1965 vollzog die Staatsführung jedoch einen harten Schnitt. Nach dem so genannten „Kahlschlagplenum“ des Zentralkomitees der SED im Dezember 1965 wurden Werke, die nicht den politischen Ansprüchen der Partei genügten, kurzerhand verboten. Das galt auch und insbesondere für Literatur, Musik und Filme aus dem Westen.

Mit der Machtübernahme durch Erich Honecker im Jahr 1971 kam es zu einer partiellen Liberalisierung der Kultur- und Kunstpolitik. Dabei entstand bis Mitte der 1970er Jahre auch in der DDR eine eigenständige Rockmusik mit deutschen Texten. Diese relativ liberale Phase endete jedoch 1976 mit der Ausbürgerung des kritischen Liedermachers Wolf Biermann. Viele Schriftsteller und Künstler protestierten dagegen, es kam zu einer großen Abwanderungswelle von namhaften Künstlern (Autoren, Schauspielern, Musikern) in den Westen. Die, die blieben, wussten die Zensur geschickt zu umgehen (durch das „Schreiben und Lesen zwischen den Zeilen“). Ab Mitte der 1980er protestierten die Künstler offen gegen staatliche Zensurmaßnahmen: Von der Rede des Schriftstellers Christoph Heins gegen die Zensur auf dem X. Schriftstellerkongress 1987, über die „Rockerresolution“ von 1989, bis zu der von Künstlern organisierten großen Demonstration auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz am 4. November1989 für Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

 

Quellen und weiterführende Links

 

„Warum gibt es in der DDR keine Opposition?“
(Neues Deutschland vom 17.5.1957, S. 3.)

 

Beispiele über feindliches Auftreten von Studenten – Bericht des FDJ-Zentralrats, Abteilung Studenten, vom 21.11.1961
(Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, DY 24 / 3998)

 

 

Information der Genossin Dürr, SED-Bezirksleitung Leipzig, September 1961
(Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, DY 30/ IV 2 / 904 / 558)

 

„Unsere DDR ist ein sauberer Staat“: Zum „Kahlschlagplenum“ der SED
(www.deutschlandfunkkultur.de)

„Rockerresolution“
(www.ddr89.de)

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